Zweite verpasste Chance zum Hilpoltsteiner Bezirksliga-Aufstieg betrifft Burgthann, Rohr und eigene Reserve / Herrieden mit Selbstvertrauen der Unbesiegbarkeit

 

Wieso hat diese Mannschaft eigentlich gewonnen? Hartnäckig drängte sich die Frage nach der letzten Aktion am Donnerstagabend auf dem Platz des TSV Wernfels auf; wenige Momente, nachdem die SG TSV/DJK Herrieden ihren letzten Strafstoß verwandelt und damit das entscheidendende Spiel der Bezirksliga-Süd-Relegation gegen den TV Hilpoltstein mit 4:2 nach Elfmeterschießen gewonnen hatte. Aus taktischen Gründen? Herrieden war eine Halbzeit lang stur in der eigenen Hälfte gestanden. Kämpferisch? Den enorm zweikampfstarken Hilpoltsteinern klar unterlegen. Spielerisch? Eine Enttäuschung. Dennoch wird der 12. Juni 2003 als Tag der zweiten verpassten Chance zum Bezirksliga-Aufstieg in die Annalen der Fußballabteilung des TV Hilpoltstein eingehen. Die erste große Enttäuschung datiert aus dem Jahr 1980, als der TV in Katzwang sieben Minuten vor Schluss noch mit 2:1 gegen den TSV Frauenaurach geführt hatte, aber schließlich 2:3 verlor.Am Donnerstag waren es zehn Minuten, die dem TV Hilpoltstein zum großen Glück gefehlt hatten. So hilft auf der Suche nach einer Antwort die 80. Minute entscheidend weiter: Die Mannschaft von TV-Trainer Albert Reitlinger führte zu diesem Zeitpunkt 1:0. Ein verwandelter Freistoß von Uli Schneider in der 26. Minute hatte den Hilpoltsteinern die Tür zur Bezirksliga ganz weit aufgerissen. Doch wie aus dem Nichts heraus erzielte Herrieden zehn Minuten vor Schluss den 1:1-Ausgleich: Nach einem Freistoß von der rechten Seite hatten die Hilpoltsteiner Innenverteidiger Patrick Hurka und Stefan Regensburger den Ball gemeinsam abgewehrt · allerdings genau vor die Füße des eingewechselten Marc Hassler, der den kaum geprüften TV-Torwart David Aimann mit einem Schuss ins lange Eck das Nachsehen gab. Dennoch bekam die Reitlinger-Elf im letzten Moment noch eine Siegchance: Nach einem Freistoß von Aljus Ramic stieg Markus Bayer zum Kopfball hoch, aber SG-Torwart Markus Seitz hechtete ins rechte Eck und wehrte den aufsetzenden Ball mit einer Klasseparade ab. Abpfiff. Daraufhin quälten sich beide Mannschaften durch die hektische, aber ereignislose Verlängerung ins Elfmeterschießen. Hier imitierten die beiden Kontrahenten unfreiwillig das Champions League-Finale zwischen AC Mailand und Juventus Turin, denn wie Milan vor zwei Wochen reichten am Donnerstagabend auch der SG Herrieden drei verwandelte Elfmeter zum Triumph. Hier die Chronologie des Hilpoltsteiner Dramas: Torwart David Aimann ließ die TV-Anhänger unter den rund 1100 Zuschauern (darunter Landrat Herbert Eckstein und MdL Peter Hufe) jubeln, als er den ersten Strafstoß des Herriedener Kapitäns Wolfgang Christ in der rechten Ecke parierte. Doch auf gleiche Art und Weise scheiterte Sekunden später auch die Hilpoltsteiner Nummer 10, Patrick Hurka, am SG-Torwart Markus Seitz. Markus Bayer nahm sich danach ein Beispiel an Torsten Schumann · beide verwandelten in der zweiten Runde ins linke Eck. Inzwischen war es in Wernfels finster geworden, und Blitze zuckten am Himmel hinter der Burg. Noch ein einziges Mal, zum dritten Mal an diesem Abend, durften sich die Hilpoltsteiner nun auf der Sonnenseite und auf dem besten Weg zur Bezirksliga fühlen. Nämlich als André Schumann den dritten Herriedener Elfmeter verschossen hatte. Alles angerichtet für Marc HasslerDoch dann zogen die Hilpoltsteiner Aufstiegsträume in Windeseile vorbei und platzten schließlich wie vom Blitz getroffen: Thomas Brandl versagten die Nerven im Stile eines Clarence Seedorf, Michael Rusam brachte die SG Herrieden mit dem einzigen überzeugenden Elfmeter an diesem Abend zum zweiten Mal in Führung, und dann scheiterte ausgerechnet Hilpoltsteins Routinier Stefan Lewey, den die vielen Zuschauer wegen seines enormen Laufpensums in den vorhergegangenen 120 Minuten bewundert hatten. Es war also wieder angerichtet für Marc Hassler, der David Aimann · diesmal im strömenden Regen · zum zweiten Mal überwand und den fünften Herriedener Elfmeter zum 4:2-Endstand verwandelte. Da hatte es auch nichts mehr geholfen, dass die TV-Spieler Arm in Arm hinter der Mittellinie standen und mit vereinten Kräften auf eine erneute Wende hofften. Nur einer fehlte in der Reihe: Aljus Ramic. Der unermüdliche Mittelfeldspieler, der trotz einer Oberschenkelverletzung über die maximale Spielzeit durchgehalten hatte, durfte als fünfter Hilpoltsteiner nicht mehr antreten und ließ sich inmitten des Herriedener Jubels enttäuscht im Mittelkreis auf den Rücken fallen.
Weshalb die SG Herrieden nun also gewonnen hat? Es ist wohl eine Kombination aus Routine und Nervenstärke einer langjährigen Bezirksliga-Mannschaft sowie dieser imposanten Serie in der Bezirksliga-Süd-Relegation. Denn hier schafften die Herriedener das bewundernswerte Kunststück, innerhalb von einer Woche drei Entscheidungsspiele gegen den Kreisliga-Abstieg zu gewinnen: Erst eindrucksvoll mit 5:2 gegen den nach 30 Spieltagen punktgleichen ESV Ansbach-Eyb, dann geradezu sensationell mit 2:1 gegen einen mit drei ehemaligen Greuther-Fürth-Profis verstärkten SV Gutenstetten, und nun glücklich im Elfmeterschießen gegen die junge Mannschaft des TV Hilpoltstein. Da drängt sich hartnäckig die Vermutung auf, dass Herrieden das Spiel am Donnerstag gar nicht verlieren konnte. Die Konsequenzen des Abends für den TV Hilpoltstein und den Fußballkreis Neumarkt: Bitter enttäuscht kehrten die Mannschaften des TSV Burgthann und der DJK/SpVgg Rohr aus Wernfels zurück. Nach der Hilpoltsteiner Niederlage wird für sie kein Platz in der Kreisliga beziehungsweise der Kreisklasse frei. Und allen voran wurden die Pläne des TV durchkreuzt, in der nächsten Saison mit der ersten Mannschaft in der Bezirksliga und dem zweiten Team erstmals im aufstiegsberechtigten Spielbetrieb der A-Klasse anzutreten. Was nun? Albert Reitlinger verabschiedete sich direkt nach dem Spiel in den Radurlaub nach Österreich. Und die beiden TV-Abteilungsleiter Gerhard Koller und Horst Kaiser, die lange vor der Relegation mit ihren Familien Urlaub in Griechenland gebucht und deshalb nur via Handy von den Hilpoltsteiner Ergebnissen erfahren hatten, überlegen bereits, ob der TV vor der neuen Saison einen Antrag beim Bayerischen Fußball-Verband stellen soll, um möglicher Weise trotz des verpassten Aufstiegs mit der Reserve um den neuen Trainer Robert Schwemmer in der A-Klasse spielen zu können. Ob ein solcher Antrag aber Erfolg hat oder nicht: Hilpoltstein geht als Titelfavorit Nummer 1 in die Kreisliga-Saison 2003/04, die voraussichtlich am 1. August mit einem Eröffnungsspiel zwischen dem FC Ezelsdorf und dem Aufsteiger Postbauer beginnt.

TV Hilpoltstein: David Aimann, Markus Bayer, Csaba Varadi, Stefan Lewey, Stefan Regensburger, Andreas Hölzel (76. Thomas Brandl), Daniel Schmidt, Aljus Ramic, Sigi Feuerstein (58. Dominik Haußner), Patrick Hurka, Uli Schneider (58. Harald Ramsauer).

SG TSV/DJK Herrieden: Markus Seitz, Norbert Lechner, Frank Lechner, Jörg Christian, Torsten Schumann, Markus Pollack (84. Michael Rusam), Stefan Schwarz, Marco Schülein (61. Marc Hassler), Paul Christ (76. Mehmet Simsek), Wolfgang Christ, André Schumann.

Tore: 1:0 Uli Schneider (26.), 1:1 Marc Hassler (80.).

(mit freundlicher Unterstützung des Hilpoltsteiner Kuriers)