| Vorerst Selters statt Sekt für Hilpoltstein |
| 2:1 gegen Schwand erster Schritt zur Bezirksliga / Am Donnerstag gegen Herrieden |
| Roth (HK) Um die Situation zu verstehen,
in der die Fußballer des TV Hilpoltstein seit Samstagabend stecken, kommt es
weniger auf die 90 Minuten bis zum Schlusspfiff an, sondern vielmehr auf die 60
Sekunden danach: Zwar fielen sich die Hilpoltsteiner erschöpft und jubelnd in
die Arme und freuten sich über ihren 2:1-Sieg gegen den FC Schwand. Doch auf
dem ganzen Sportgelände der SpVgg Roth knallte kein einziger Korken. Statt
dessen blieb es bei einem einzigen, kurzen Augenblick der überschäumenden
Beigeisterung, als Aljus Ramic eine kräftig geschüttelte Mineralwasserflasche
über den Köpfen seiner Mitspieler entleerte.
Wie bezeichnend: Selters statt Sekt. Denn selbst nachdem der TV zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte ein Relegationsspiel um den Bezirksliga-Aufstieg erfolgreich bestritten hat - gewonnen haben die Hilpoltsteiner Fußballer noch lange nichts. Erst jetzt geht es für den Vizemeister der Kreisliga Neumarkt wirklich um den Sprung auf die Bezirksebene: Am Donnerstag, 12. Juni, spielt die Mannschaft von TV-Trainer Albert Reitlinger um 18.30 Uhr gegen die SG Herrieden um den letzten freien Platz in der Bezirksliga Süd. Artig befolgte die Hilpoltsteiner Mannschaft am Samstag die Taktik ihres Trainers. "Schwand schlägt viele lange Bälle, da darf die Viererkette nicht so weit aufrücken", sagte Reitlinger, als sich der Kader aufwärmte und es sich abzeichnete, dass die angeschlagenen Aljus Ramic und Markus Bayer auflaufen können. "Aber", ergänzte Reitlinger, "wir werden wie immer versuchen, über Patrick Hurka Überzahlsituationen im Mittelfeld zu schaffen. So etwas ist zwar ein Risikofaktor, der uns in dieser Saison aber stark gemacht hat." Gesagt, getan: Nach bedächtigem Beginn beider Mannschaften flankte Uli Schneider bei der ersten Hilpoltsteiner Ecke auf den kopfballstarken Hurka, der unbemerkt von der Schwander Abwehr in den Strafraum aufgerückt war. Der völlig frei stehende TV-Verteidiger versuchte jedoch, den halbhohen Ball mit dem Fuß über die Torlinie zu drücken und schlug ihn in Rücklage über die Latte. Die TV-Anhänger unter den fast 1000 Zuschauern stöhnten nach dieser ersten großen Torchance enttäuscht auf, während Schwand bereits den Gegenangriff einleitete. Torwart Markus Buder musste dafür nicht etwa das Leder aus dem Gebüsch holen, sondern schnappte sich von einem der Balljungen Ersatz. Über die linke Seite spielte sich der Vizemeister der Kreisliga Jura durch die unsortierte Hilpoltsteiner Mannschaft · und plötzlich war es passiert: Der zurück geeilte Patrick Hurka patzte, ließ die Hereingabe unter dem rechten Fuß passieren, und Holger Kraut verwandelte zum 1:0 (6.). Doch das Führungstor täuschte. FC-Torwart Buder, der Rückhalt der Schwander Mannschaft, hatte nicht nur zum Spaß zwischen Kabine und Toilette gemurmelt: "Meine Güte, sind wir heut` nervös." Es war tatsächlich wenig zu spüren von den vielen Schwander Bezirksliga-Jahren. Erstaunlich schnell hatte sich dagegen der TV Hilpoltstein, bei dem einzig Stefan Lewey und der später eingewechselte Harald Ramsauer Erfahrung auf Bezirksebene besitzen, vom Schock des frühen Gegentreffers erholt.Die Strafraumszenen ereigneten sich bis zur Pause im Doppelpack: In der 12. Minute verzog Christian Globisch, nachdem Schwand zum zweiten Mal die rechte Seite der TV-Abwehr überwunden hatte. Auf der Gegenseite wurde Hilpoltsteins Daniel Schmidt wenig elfmeterreif zu Fall gebracht, der abprallende Ball landete bei Andreas Hölzel, dessen Schuss jedoch Buder kalt ließ. Dessen Gegenüber David Aimann hatte eine umso brenzligere Situation zu überstehen, als eine verunglückte Flanke von Florian Reichold an die Latte des Hilpoltsteiner Tores prallte. Doch es fiel in dieser 31. Minute weder das 2:0 noch das 1:1. Im direkten Gegenzug setzte sich erstmals Aljus Ramic in Szene, dessen Hereingabe Uli Schneider über den Spann rutschte. Doch spätestens diese Aktion machte dem TV Hilpoltstein klar: Die gegnerische Abwehr ist verwundbar. Und so schlug die Reitlinger-Elf noch vor dem Seitenwechsel zu: Bei einem Freistoß knapp 30 Meter vor dem Tor verzichtete Schwand auf eine Mauer, Buder ließ den harten Schuss abprallen, und Sigi Feuerstein staubte zum 1:1 ab (40.). Pause."Unser Spiel hat dem Trainer überhaupt nicht gefallen", sagte Hilpoltsteins Spielleiter Helmut Dietz auf dem Weg zurück zur Hilpoltsteiner Bank. Doch das sollte sich nach einer knappen Viertelstunde in der zweiten Halbzeit schlagartig ändern: Wieder erkämpfte sich der TV in zentraler Position einen Freistoß, und wieder stand Patrick Hurka am Ball. Schwand hatte zwar aus seinem Fehler gelernt und stellte eine Mauer auf. Doch nicht etwa Hurka, sondern Stefan Lewey lief an und schlenzte den Ball zum 2:1 ins Tor. Der verdutzte Buder stand wie verwurzelt auf der Linie (57.). Die letzte halbe Stunde: Der FC Schwand produzierte plötzlich Patzer in Serie. Nach einem Torschuss von Uli Schneider landete Markus Buders missglückter Abwurf bei Patrick Hurka, der verzog (60.). Der Torwart machte diesen Fehler umgehend wett, als er nach einem verunglückten Abspiel der FC-Abwehr den Schuss von Sigi Feuerstein parierte (62.) Fünf Minuten später wussten sich die konfusen Schwander nur noch mit einer Notbremse zu helfen: Kurt Hecht grätschte dem eingewechselten Harald Ramsauer kurz vor der Strafraumgrenze von hinten in die Beine, was der Bayernliga-Schiedsrichter Deniz Aytekin kommentarlos mit der roten Karte bestrafte. Harald Ramsauer wurde innerhalb seiner ersten fünf Minuten auf dem Feld aber noch ein zweites Mal nieder gestreckt: Erneut außerhalb des Strafraums; diesmal vom herauslaufenden Markus Buder, der mit der gelben Karte davon kam. Die letzten zehn Minuten: Was sollte jetzt noch schief gehen? 2:1 in Führung, mit einem Mann in Überzahl. Doch Reitlinger tobte an der Linie: Leichtsinnig vergab seine Mannschaft zahlreiche Kontermöglichkeiten. Und wenn der FC Schwand tatsächlich einmal in der gegnerischen Hälfte auftauchte, spielte die TV-Abwehr mit den Nerven aller Hilpoltsteiner rund um den Platz. Reitlinger trieb es die Zornesröte ins Gesicht, und zwar so lange, bis Boris Groetsch seinen Schuss in der Schlussminute verzogen · es war die einzig echte Torchance des FC Schwand in der zweiten Halbzeit · und der Schiedsrichter abgepfiffen hatte.Reitlingers knappes Fazit: "Da wartet noch viel Arbeit." Auf seine Mannschaft im entscheidenden Spiel um den Bezirksliga-Aufstieg, und auf den Trainer selbst bereits gestern Abend, als er den kommenden Gegner studierte. "Auch wenn meine Frau schimpft." Sprach`s mit einem Grinsen und ging in den Schwander Strafraum, um mitten im Hilpoltsteiner Jubel den enttäuschten Markus Buder zu trösten. Reitlingers Mannschaft feierte mit den Fans, und Aljus Ramic duschte die Mitspieler. Nur mit Mineralwasser, wohlgemerkt. TV Hilpoltstein: David Aimann, Markus Bayer (79. Thomas Brandl), Csaba Varadi, Stefan Lewey, Stefan Regensburger, Andreas Hölzel, Daniel Schmidt, Aljus Ramic, Sigi Feuerstein (79. Dominik Haußner), Patrick Hurka, Uli Schneider (65. Harald Ramsauer). FC Schwand: Markus Buder, Kurt Hecht, Martin Odorfer (34. Mirco Lindemann), Christian Ottmann, Boris Groetsch, Mitat Ayan, Holger Kraut (69. Uli Baresch), Daniel Winkler, Christian Globisch, Florian Reichold, Bernd Paukert. Tore: 0:1 Holger Kraut (6.), 1:1 Sigi Feuerstein (40.), 2:1 Stefan Lewey (57.). (mit freundlicher Unterstützung des Hilpoltsteiner Kuriers) |